Domaine Capuano-Ferreri Santenay

Burgund/Frankreich

Klassiker? Nostalgiker? Tragiker? Es gibt für den interessierten Weinliebhaber einfa­chere Aufgaben als das Erkennen des heutigen Stellenwerts von Burgunderweinen. Ob in den Regalen der Fachgeschäfte, den Seiten ledergebundener Weinkarten oder aus den Kapiteln der einschlägigen Fachliteratur: Einmütigkeit ist nicht erkennbar!

Das war auch schon anders: Fin fin de Bourgogne war der gehobene Nachbar des werktäglichen Beaujolais, ein Hospice de Beaune das noch grad erschwingliche Juwel des Hausherrn und über einen Romanée-Conti unterhielt man sich nur flüsternd. Aber Gaumenmoden ändern sich. Und gut geschulte Winzer und ihre Kellermeister haben weltweit aus ehemals kleinen Gewächsen spannende Weine gezaubert – zum Entzücken und zur Freude neugieriger Weinfreunde. Und zum Kummer unserer westlichen Nachbarn.

Aber die weiten Weinberge des Burgunds und sein Terroir sind geblieben! Und die Weinbauern haben ihr Handwerk auch nicht verlernt und geben Winzergeheimnisse ebenso weiter wie ihre Parzellen. Immer noch meist in der Fami­lie – oft seit 7 oder 8 Generationen! 

Das merkte auch John Capuano, als er seinerzeit sein Weingut in Santenay begründete. In einer Winzerfamilie in Barolo aufgewachsen, bereiste er als Vertreter einer Bücherkette das Burgund und lernte so viele Burgunderweine kennen. 1987 wagte er in Santenay den Start auf ­einem gepachteten Betrieb mit 4 Hektaren – als Fremdling argwöhnisch beäugt von den Bewoh­nern des weltbekannten Weindorfes.

Der Start gelang dank Fleiss und Können, aber auch dank des landesweit bekannten Onkels Jean-Marc Ferreri, der als Fussball-Internationaler einen grossen Bekanntenkreis pflegte.

Allerdings gelang es den Capuanos nicht, ihr Rebgut in der Umgebung von Santenay auszuweiten – Erfolg bringt Neider. Mehr Glück hatten sie dann in der entfernteren Umgebung des Burgunds. Hier liegt auch das Geheimnis ihres aussergewöhnlich vielfältigen Weinangebots von bemerkenswerter Qualität, das aus Lagen von Mercurey, Maranges, Chassagne-Montrachet, Pommard, Corton und sogar bis zum berühmten Clos de Vougeot stammt.

Es gehört zu den schönen Gegebenheiten, dass Poesie und Wein innig zusammengehen – so besonders auch bei diesem Beschrieb ...

Hinter der zart-frivolen Attitüde von Zedern, Orangen und orientalischen Sehnsüchten verbirgt sich der klassische Geist des Chardonnays mit seinen Nuancen von Mandeln, Butter und einer prickelnden Mineralität, der nicht dem Ehrgeiz verfällt, die Geheimnisse preiszugeben, sondern die Mysterien dezent verbirgt, dem Geniesser anvertraut und ihm einen Einblick in bacchanale Initiationen offenbart.

... entstanden zu vorgerückter Stunde beim Genuss einer Flasche Chassagne-Montrachet blanc 1er Cru Morgeot in Gesellschaft von Hans Schenker alias Lüthi in «Lüthi und Blanc».