Weine der Region

Vor 200 Jahren war das Weintrinken popu­lärer als heute. Jeder Berner trank im Durchschnitt 200 Liter Wein pro Jahr (heute sind es weniger als 40 Liter). Der Wein stammte hauptsächlich aus der Region, hatte weniger Alkohol und war eigentlich mehr Nahrungs- denn Genussmittel. 

Die einheimischen Sorten Elbling und Thunrebe (heute Räuschling) ergaben säurereiche Weine. Der bessere Wein aus dem Waadtland oder gar aus Frankreich war teuer und der Oberschicht vorbehalten.

Um 1800 sah es am Thunersee ähnlich aus wie heute am Bieler- oder Genfersee. Vom Seeufer bis hinauf nach Sigriswil wurde Rebbau betrieben. Auch Heiligenschwendi, Steffisburg und sogar Seftigen waren Rebbaudörfer. Rund um den Thunersee standen auf 250 Hektaren Reben.

Mit der Abschaffung der innereidgenössischen Zölle 1848 und dem Bau der Eisenbahnen verschlechterten sich die Bedingungen für die Thuner Winzer. Auch das nasskalte Klima Mitte des 19. Jahrhunderts trug dazu bei, dass erste Rebberge wegen Misserfolgs gerodet wurden. Besonders schlimm wurde es ab 1880: Der Echte Mehltau und der Falsche Mehltau zerstörten das Blattwerk der Rebe und die Trauben reiften nicht mehr. Der Mehltau – und nicht die gefürchtete Reblaus – gab dem Rebbau am Thunersee somit den Rest und brachte ihn um 1915 ganz zum Verschwinden.

Doch schon 1928 pflanzte Hans Barben in Spiez wieder erste Rebstöcke, und die Oberhofner liessen sich 1930 von dessen ersten Erfolgen anstecken. Ab 1990 – ermuntert vom wärmeren Klima – wagten weitere Rebfreunde am Thunersee den Wiedereinstieg in den Rebbau. 

Eine Besonderheit ist der Ostermundiger Hättenberger, den Winzer Andreas Blank mit seiner Familie oberhalb des Worblentals auf gut einer Hektare kultiviert. Womit das Ostermundiger Terroir nicht nur den Sandstein für das Berner Münster lieferte, sondern auch einen auserlesenen Tropfen hervorbringt!

Nachstehende Weine dürfen wir unter andern vinifizieren oder vollständig kultivieren

Thuner – 62 a / 6’000 Flaschen
Riedboden, Familie Gerber / Kurt Ambühl  

Ostermundiger – 100 a / 10’000 Flaschen
Hättenberger, Familie Blank

Vom Terroir

Viel ist beim Wein vom Terroir die Rede – nicht selten mit einer gewissen Ehrfurcht vor diesem Wort, hinter dem sich alle Geheimnisse eines grossartigen Weinbergs zu verbergen scheinen. Das ist gar nicht so falsch: Unter dem Begriff Terroir mag zwar vordergründig schlicht die Geologie eines Stückes Land gemeint sein. Aber jeder Geologe weiss, dass hinter dieser Geologie nicht nur die analytisch erfassbare Zusammensetzung des Bodens steckt. Faktoren wie Entstehung, Entwicklung, Dynamik im Verlauf der Jahrtausende (oder auch nur einer Saison) unter dem Einfluss von Klima oder aktueller Witterung sind auschlaggebend.

Und jedem Winzer ist geläufig, dass bereits die Bodenschichtung (Reben sind Tiefwurzler) dazu führt, dass jeder Quadratmeter im Grunde genommen ein eigenes Terroir hat und deshalb eine ganz besondere Qualität der Traube und damit des Weins erbringt – grosse Lagen im Burgund bilden das akribisch ab! Gemeinhin nimmt man auch etwa an, dass besondere Weine nahe Gewässer voraussetzen. Das mag gelegentlich zutreffen, weil gerade Seen klimaausgleichend wirken. Aber dies ist nur einer der Faktoren, die das Terroir ergänzen – oder eben grad mitbestimmen!

Mysterium Terroir – wir sind glücklich, dass es keine umfassende Übersetzung dafür gibt!